Meine Geschichte
Wie es anfing
Ich saß im Auto, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Plötzlich wurde mir schwindelig, mein Herz stolperte — einmal, zweimal —, dann raste es. Meine Hand wurde taub.
Ich bin auf einer Hauptstraße rechts rangefahren, halb auf der Fahrbahn. Ich habe eine Freundin angerufen, weil mir die Nummer des Notrufs nicht mehr einfiel. Menschen sind an mir vorbeigefahren und vorbeigelaufen. Niemand hat gefragt, ob ich Hilfe brauche.
Dann kamen Polizei und Rettungswagen. Verdacht auf Herzinfarkt.
Danach kam die Runde, die so viele kennen: Hausärztin, HNO, Kardiologe, Neurologe, MRT. Jeder Befund unauffällig. Am Ende der Satz, es sei alles in Ordnung.
Nur war eben nichts in Ordnung. Ich habe weitergemacht — mit Körpersymptomen, die mich rund um die Uhr in Angst gehalten haben. Herzrasen, Schwindel, ein Ziehen in der Brust, eine innere Unruhe, die nie aufgehört hat. Und daneben lief alles weiter: Arbeit, Uni, Termine. Ich wollte stark bleiben und keine Schwäche zeigen.
Der Wendepunkt kam nicht durchs Durchhalten. Er kam, als ich angefangen habe zu verstehen, was in meinem Körper passiert, statt weiter dagegen anzukämpfen. Angst ist keine Charakterschwäche. Angst ist ein überlastetes Nervensystem.
Meine Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin ist aus genau diesem Schmerz entstanden. Ich habe mir beibringen lassen, was mir damals niemand erklärt hat. Und dabei habe ich verstanden: Achtsamkeit ist der Kern, um aus Angst und Panik herauszukommen. Nicht ein Baustein von vielen — der Kern.
Das begreift man aber nicht, indem man es hört. Man begreift es erst, wenn man sich wirklich tief damit auseinandersetzt. Denn was heißt Achtsamkeit überhaupt? Bei uns ist daraus ein Modewort geworden. „Sei mal achtsam mit dir.“ Schön gesagt — nur weiß kaum jemand, wie man das lebt. Was man morgens anders macht. Was man tut, wenn nachts das Herz rast und der Kopf nicht aufhört.
Und fast alle kommen damit erst in Berührung, wenn längst nichts mehr geht: nach der ersten Panikattacke, nach der Nacht in der Notaufnahme, nach dem Befund, der nichts erklärt. Deshalb lässt mich eine Frage nicht los:
Warum lernen wir das nicht früher — bevor der Körper die Notbremse zieht?
Aus einem Weg, der aus Schmerz entstanden ist, ist mein Herzensthema geworden. Meine Arbeit ist dabei kein therapeutisches Angebot — das war sie nie und soll sie nicht sein. Aber zwischen „Ihre Werte sind in Ordnung“ und dem eigenen Alltag klafft eine Lücke, in der Frauen sonst allein bleiben. Genau dort arbeite ich.